Konzertreise vom 17.04. - 22.04.2003

Ziel einer sechstägigen Konzertreise der Black-Forest Brassband Altensteig war Uzghorod in der Ukraine. Dort unterstützt seit sechs Jahren das Jugend-, Missions- und Sozialwerk (JMS) unter der Projektleitung von Gertrud Rothacker ein Waisenhaus mit rund 120 Kindern. Durch finanzielle Unterstützung und praktische Hilfseinsätze konnte die komplette Infrastruktur des Heims neu aufgebaut werden. Zum Beispiel wurde die Küche komplett erneuert, sanitäre Einrichtungen geschaffen, eine neue Heizung installiert und der Speisesaalboden gefliest. Regelmäßig fährt von der Deutschen Humanitären Hilfe Nagold (DHHN) ein großer LKW mit Kleidung, Nahrungsmitteln und ähnlichem dorthin. Die Black-Forest Brassband Altensteig unter der Leitung von Tobias Steeb wollte mit ihrer Musik bestehende Kontakte vertiefen und die Situation vor Ort kennen lernen.  

Die rund 1.500 Kilometer lange Hinfahrt mit dem Bus über Österreich und Ungarn dauerte 24 Stunden. Erste Station der Reise war das Waisenhaus. Als die mitgebrachten Geschenke, buntes Plastikgeschirr, überreicht wurde, kam keine große Begeisterung bei den Kindern auf. Wohl aber bei den Erziehern. Endlich ist genügend Geschirr vorhanden, dass die Kinder nicht mehr in verschiedenen Schichten essen müssen. Als dann aber Überraschungseier, Schokolade und Gummibärchen verteilt wurden, strahlten auch die Gesichter der Kinder. Die meisten der Heimkinder durften die Brassband auf den Marktplatz von Uzghorod begleiten, auf dem das erste Konzert stattfand. Bei strahlendem Sonnenschein nahmen viele Passanten die Gelegenheit war, um den Klängen der Bläser aus dem Schwarzwald zuzuhören. Verschiedene Musiker nahmen die Gelegenheit wahr, um persönliche Erlebnisse mit ihrem christlichen Glauben zu erzählen. So hatte die Veranstaltung fast Gottesdienstcharakter. Die Brassband wurde vom JMS-Pastor Dietrich Ebeling begleitet. In seiner Ansprache erklärte er den wesentlichen Unterschied von einem Leben mit oder ohne Jesus.

Besonders eindrücklich war ein sechsstündiger Einsatz in einem Bergdorf in den Karpaten. Über steile und sehr holprige Wege fuhren die Spieler der Brassband in kleinen Gruppen in eine fast vergessene Welt. Im Gepäck waren rund 200 frisch gebackene Brote. Zwei befreundete Bäcker konnten seitens JMS mit professionellen Backöfen ausgestattet werden. Die Backöfen verhalfen ihnen zu einer Existenzneugründung. Seitdem unterstützen sie mit ihren Backwaren das Waisenhaus und die Armen in den Bergdörfern. Die Wohnverhältnisse dort oben sind teilweise sehr erbärmlich. Gerade ältere Frauen sind davon betroffen. Ihre Wohnräume ähneln eher einem Stall. In den gewöhnlich harten Wintern kämpfen viele nur ums Überleben. Dankbar haben sie die mitgebrachten Brote und Vitaminsäfte angenommen.  

Das nächste Konzert fand im Rahmen eines Sonntagsgottesdienstes in einer Baptistengemeinden vor Ort. Reiseleiter und Tubaspieler Siegfried Braun überbrachte den rund 400 Besuchern die Grüße aus der Heimat. Pastor Ebeling sprach darüber, dass jeder Mensch Gott wichtig sei und dass der eigentlich Sinn des Lebens ist, mit ihm sein Leben zu gestalten. Viele Besucher waren beeindruckt von der klanglichen Professionalität der meist ehrenamtlichen Bläser.  

Letzte Station in der Ukraine war das Jugendhaus. Es wurde von der „Waisenhilfe Ukraine“, einem Arbeitszweig von JMS, für die Jugendlichen gekauft, die aus Altersgründen das Waisenhaus verlassen müssen. Statt auf der Straße zu landen oder im nahen Zementwerk unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten, können bis zu 30 Jugendliche hier ein neues Zuhause finden. Mittlerweile ist das Haus so renoviert, dass man sehr gut darin leben kann. Seit letztem Sommer waren insgesamt vier Teams von Altensteig aus mit verschiedenen Handwerkern nach Uzghorod unterwegs, um den Umbau zu realisieren. Auch hier wurde eine Heizung eingebaut, Wasch- und Toilettenanlagen eingerichtet, Decken, Wände und Böden komplett saniert und das Haus aufgestockt und eingedeckt. Sechs Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren werden derzeit betreut. Auch für sie hatte die Brassband neue Jeans und Hemden und andere Geschenke im Gepäck.  

Auf der Rückreise stand eine Stadtrundfahrt in Budapest auf dem Programm. Besonders eindrücklich war die abendliche Bootsfahrt auf der Donau. Vor dem Rathaus in Gödöllö, einem Vorort von Budapest, spielte die Brassband ihr Abschlusskonzert.  

Die Musiker der Brassband waren sich einig, dass die Not und Armut in der Ukraine ein gewisses weiteres Engagement erfordert.

 
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