Konzertreise vom 24.05. - 01.06.1996
Nach zweitägiger Fahrt durch die Schweiz, Italien und Griechenland trafen wir in Albanien ein. Die erste Station unseres Aufenthaltes war Pogradec, im Süden des Landes. Unser erster Auftritt war in Erseka im Freien auf dem Marktplatz. Innerhalb kürzester Zeit erweckten wir bei den Albanern großes Interesse durch unser Kommen, und wir waren sofort umringt von zahlreichen Zuschauern. Unsere Musik kam sehr gut an, jedoch wurde unser Konzert durch Wahlanhänger des wiedergewählten Präsidenten als Plattform für deren Interessen missbraucht.
Etwas überrascht von der Mentalität der Albaner in dieser Stadt, fuhren wir nach Korca. Am Imbiss gab es auf der Fahrt einen albanischen Hamburger, bestehend aus einem Brötchen, mit einer dünnen Scheibe Salami und einer noch dünneren Scheibe Käse; alles nicht ganz taufrisch! Zuständiger Missionar in Korca war Larry Struckton. Dort spielten wir im Park, wobei uns Larry mit seiner Posaune aktiv unterstützte.
Schon am Montag freuten wir uns auf den Dienstag, denn: Es erwartete uns ein deutsches Frühstück bei JmeM in Pogradec. Hier wurden wir über die Aktivitäten durch den dortigen Leiter informiert. Nachmittags fuhren wir in ein entlegenes Bergdorf (Prespa) zusammen mit Arnold Geiger (Missionar von Projekt Nehemia aus Pogradec). Dort erwartete uns eine zahllose Menge Kinder, die sehr neugierig auf uns reagierten. Nach dem Konzert mit einigen Zeugnissen, verteilten wir kleine Geschenke. Die Jugendlichen bedrängten uns so sehr, dass wir kaum in den Bus zurückkamen.
Der Höhepunkt in Pogradec war abends das Konzert im Kulturhaus. Eingeleitet wurde unser Konzert durch eine albanische Folkloregruppe. Auch bei diesem Konzert kam unser Musikstil gut an. Besonders ein extra eingeübtes albanisches Musikstück bekam tosenden Beifall.
Bereits am Mittwoch hieß es Abschied nehmen von Pogradec. Nach knapp drei Stunden Busfahrt, für 40 Kilometer, kamen wir in Elbasan an. Dort erwartete uns Nick, ein englischer Missionar, der zusammen mit seiner Gemeinde das Abendkonzert vorbereitete. Nachmittags verteilten wir mit albanischen Gemeindegliedern die Einladungen. Das Konzert selbst verlief sehr positiv. Direkt nach dem letzten Musikstück strömten viele Jugendliche auf die Bühne, um unsere Instrumente zu begutachten. Leider wurde diese Situation von einigen albanischen Jugendlichen genutzt, um sich an unsere Wertgegenstände heranzumachen. Erion, unser ständiger albanischer Begleiter, forderte uns auf, unter diesen Umständen besonders vorsichtig zu sein. Wir waren froh, als wir sicher samt Gepäck wieder im Bus waren und bedanken uns bei unseren beiden „Bodyguards“ Matthias und Steffen.
Bereits jetzt schlapp, traten wir die 50 Kilometer lange Busfahrt in die Hauptstadt Tirana an. George hatte dort die Unterbringung in Privatquartieren organisiert. Am Donnerstag erwartete uns ein abwechslungsreicher Tag. Morgens spielten wir vor der Musikhochschule und luden gleichzeitig für das Abendkonzert im Kulturzentrum ein. Danach betraten wir deutschen Boden, die „Deutsche Botschaft“. Wir wurden herzlich von den deutschen Angestellten aufgenommen und konnten ihnen ein kleines Ständchen spielen. Am Abend hatten wir das Konzert im Kulturzentrum. Auch hier wurden wir durch die Tanzgruppe „Doorsteps“ aktiv mit Tänzen unterstützt. Das Konzert wurde vom albanischen Fernsehen live mitgeschnitten. Und in den Abendnachrichten als kleiner Beitrag ausgestrahlt. Nach dem Konzert hatten wir gute Gespräche mit Besuchern, unter anderem auch vier Deutschen, die sich für unsre Reise durch Albanien interessierten Die häufigste Frage war: „Was macht eine solche Gruppe, wie die Brassband, in Albanien?“ Dies zeigte uns, dass wir hier genau richtig waren und Aufmerksamkeit für unsere Anliegen fanden.
Den Höhepunkt erlebten wir dann am letzten Tag in Albanien. Mit IFA-LKW fuhren wir drei Stunden in ein abgelegenes Bergdorf, um dort die Wasserleitung in einem festlichen Rahmen einzuweihen. Dieser Wasserleitungsbau wurde in zweijähriger Eigenleistung der Dorfbewohner unter Anleitung des AEC-Ingenieurbüros und zahlreichen deutschen Spenden in die Tat umgesetzt. Begleitet wurden wir an diesem Tag durch den deutschen Botschafter, der eigens für diesen Anlass mit einem Helikopter der Heli-Mission „eingeflogen“ wurde. Nach einem festlichen Akt mit viel Musik, Ansprachen des Botschafters, des Dorfbürgermeisters und Hermann Riefles wurden wir zu einem typisch albanischen Festmahl im Bergdorf eingeladen. Nach dreistündiger Rückfahrt durch die Berge traten wir am gleichen Abend die Rückreise an. Besonders dankbar sind wir als Brassband, dass wir ohne Krankheiten und Verletzungen am Sonntag den 02.06.1996, wieder in Altensteig ankamen.
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